Wer gewinnt die Tour de France 2020?

Wer gewinnt die Tour de France 2020?

Seit 2015 gewannen mit Chris Froome, Geraint Thomas und Egan Bernal ausschließlich Fahrer, die für die frühere Sky- und heutige Ineos-Equipe fuhren. In Abwesenheit von Froome und Thomas möchte Bernal nun die Tradition fortsetzen. Härtester Gegner dürfte der Slowene Primoz Roglic werden. Deutsche Hoffnung ist Emmanuel Buchmann aus Ravensburg.

Das frühere Sky-Team, das heute Ineos heißt, dominiert die Tour de France seit 2012. Damals gewann der Brite Bradley Wiggins. Im folgenden Jahr fuhr dessen Landsmann Chris Froome seinen ersten Gesamtsieg heraus. 2015 bis 2017 folgten für den schlacksigen Blondschopf die Triumphe zwei bis vier. 2018 siegte der Waliser Geraint Thomas, im vergangenen Jahr der Kolumbianer Egan Bernal.

Nur 2014 triumphierte kein Fahrer aus der heutigen Ineos-Mannschaft. Wegen eines Sturzes musste nämlich Froome aufgeben. Das nutzte der Italiener Vincenzo Nibali und holte seinen ersten Toursieg. Heute gilt der ehemalige Skispringer Primoz Roglic als derjenige, der Ineos und Bernal am ehesten schlagen könnte. Gute Chancen haben auch der Niederländer Tom Dumoulin und der Franzose Thibaut Pinot. Auf deutscher Seit träumt der Vorjahresvierte Emmanuel Buchmann vom großen Coup.

Die Strecke

Die Etappen der diesjährigen Tour de France sind ganz auf die Kletterspezialisten wie Bernal, Roglic oder Pinot zugeschnitten. Es gibt nämlich auf der vorletzten Etappe nur ein Zeitfahren. Und das endet sogar mit einer Bergankunft auf der Planche des Belles Filles. Insgesamt befinden sich die Ziele von sechs Etappen in der Höhe. Acht Teilstücke gelten als Bergetappen. Die Fahrer überqueren nicht nur traditionell die Alpen und die Pyrenäen, sondern müssen sich auch über das Jura, die Vogesen und das Zentralmassiv kämpfen.

Tour de France 2020 im TV oder Livestream

Zu sehen gibt es die Tour de France ab 29.8. in der ARD und bei Eurosport.

Zweiter Sieg für Egan Bernal?

Schon vor dem Auftakt in die Tour sorgte Ineos für einen Paukenschlag. Die ehemaligen Sieger Chris Froome und Geraint Thomas wurden nicht in das Aufgebot berufen. Damit setzen die Briten voll auf die Titelverteidigung von Egan Bernal. Für den Kolumbianer ist das ein Vorteil. Seine Equipe beraubt sich aber dadurch eines Plan B, sollte Bernal schwächeln.

Ohnehin ist der Leader nicht ganz fit, er plagt sich mit Rückenschmerzen. Ihn soll in den Bergen vor allem der Giro-Sieger von 2019, Richard Carapaz, unterstützen. Sein Coach Xabi Artetxe warnt bereits vor der ersten Tour-Woche, bei der es bereits bergig wird:

„Die Tour startet mit ein paar wirklich komplizierten Etappen. Dort muss die Kondition sehr gut sein. Niemand wird die Tour in der ersten Woche gewinnen, selbst wenn sie so hart ist, aber wir werden sicher Favoriten sehen, die bereits dann die Segel streichen müssen.“

Roglic möchte Bernal wieder schlagen

Beim Vorbereitungsrennen, der Tour de’l Ain, hängte Primoz Roglic Bernal schon ab. Das soll nun auch bei der Tour de France passieren. Allerdings stürzte der ehemalige Skispringer beim Critérium de Dauphiné schwer. Deshalb weiß man nicht, ob er seine Form halten konnte. Zumal sein Teamkollege Steven Kruijswijk noch schwerer zu Fall kam und für die Frankreich-Rundfahrt absagen musste.

Mit dem Dritten des Vorjahres fehlt Roglic und seinem Co-Kapitän Tom Dumoulin nicht nur ein wichtiger Helfer in den Bergen, sondern beraubt sein Team auch taktischer Varianten. So hätte der Niederländer Kruijswijk beispielsweise Attacken setzen können, auf die Ineos hätte reagieren müssen. Vor dem Start zeigte Roglic eine Mischung aus Zurückhaltung und Zuversicht:

„Ich habe ehrlich gesagt gedacht, dass ich mich jetzt schon besser fühlen würde. Lasst uns sehen, was die nächsten Tage bringen. Ich bleibe optimistisch.“

Ist Dumoulin der lachende Dritte?

Anders als Bernal und Roglic hat Tom Dumoulin nicht mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Das könnte der Giro-Sieger von 2017 nutzen und erstmals die Tour de France gewinnen. Doch der niederländische Zeitfahrspezialist, der in dieser Disziplin 2017 Weltmeister wurde, hat ein Problem: Die diesjährige Strecke mit nur einem Zeitfahren, das noch dazu auf einen Berg führt, spricht nicht gerade für ihn. Der Giro in diesem Oktober mit drei Kämpfen gegen die Uhr ist da eher etwas für ihn.

Pinot soll Frankreich erlösen

Mit Bernard Hinault gewann 1985 letztmals ein Einheimischer die Tour de France. Nun soll es Thibaut Pinot richten. Wohl nicht zuletzt deshalb haben ihm die Organisatoren eine Strecke wie auf den Leib geschnitten. Nur ein Zeitfahren, das aber bergig ist und durch seinen Heimatort führt. Dafür sechs Bergankünfte.

So hofft ganz Frankreich auf den großen Coup von Pinot. In jedem Fall soll es besser laufen als 2019, als er das Podium im Blick kurz vor Schluss aufgeben musste. 2014 war er schon einmal als Dritter in Paris angekommen. Nun soll es auf die höchste Stufe des Podiums gehen.

Kann Buchmann überraschen?

Im vergangenen Jahr überzeugte der Ravensburger Emmanuel Buchmann mit Platz vier im Gesamtklassement. Für dieses Jahr hatte sich der Fahrer vom deutschen Team Bora-hansgrohe das Podest als Ziel vorgenommen. Sogar ein Sieg schien möglich. Doch dann stürzte auch Buchmann bei der Dauphiné und zog sich Prellungen und Hautabschürfungen zu. Nun geht er angeschlagen zur Frankreich-Rundfahrt und weiß nicht, wo er steht:

„Der Rücken schmerzt schon noch arg. Aber immerhin geht Radfahren momentan schon besser als Laufen. Eigentlich dachte ich, die Tour ist gelaufen, als ich nach dem Sturz nicht mehr selbständig aufstehen konnte. Aber zum Glück ist nichts gebrochen. Ich werde die Tour jetzt von Tag zu Tag in Angriff nehmen.“

Mein Tipp

Wenn sich Roglic gut von seinem Sturz erholt, dürfte es ein spannender Kampf mit Bernal werden. Doch letztendlich setzt sich der Kolumbianer Bernal durch und gewinnt seine zweite Tour de France. .

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