Macht’s Thomas Dreßen gleich noch einmal?

Macht’s Thomas Dreßen gleich noch einmal?

Am vergangenen Samstag sorgte der Mittenwalder Abfahrer Thomas Dreßen für eine Sensation. Er siegte auf der Streif. Dadurch rückt er in den Favoritenkreis für die nächste Schussfahrt auf: Siegt Dreßen auch zuhause in Garmisch? Oder schlagen Svindal oder Feuz zurück?

Rückblick

39 Jahre mussten Deutschlands Skifans warten – dann gab es am Samstag den ersten Sieg bei der Abfahrt von Kitzbühel. Thomas Dreßen aus Mittenwald siegte bei der berühmtesten Abfahrt der Welt. Und eine Woche später will er auch zuhause ein Wort um den Sieg mitreden – auf der Kandahar in Garmisch. Nur 19 Kilometer Straße liegen zwischen Dreßens Heimatort Mittenwald und der Rennstrecke.

Im vergangenen Jahr wurden dort zwei Abfahrten ausgetragen. Damals reichte es für den Kitzbühel-Sieger nur zu den Plätzen 32 und 37. Stattdessen siegten der US-Amerikaner Travis Ganong bzw. Hannes Reichelt aus Österreich. Der Südtiroler Peter Fill wurde einmal Zweiter und einmal Dritter. Super-G-Olympiasieger Kjetil Jansrud (Norwegen) wurde in der ersten Abfahrt Zweiter, Abfahrts-Weltmeister Beat Feuz (Schweiz) im zweiten Wettbewerb Dritter.

Die Strecke:

Zur Weltmeisterschaft 2011 wurde die „Kandahar“ umgebaut. Seitdem weist die Strecke die steilste Stelle im Weltcup auf: Im „freien Fall“ herrscht ein Gefälle von 92 Prozent. Doch davon bekommen die Läufer gar nicht so viel mit. Denn ähnlich wie bei der „Mausefalle“ in Kitzbühel springen sie Zig-Meter in den „freien Fall“ hinein. Doch diese Passage befindet sich bereits kurz vor dem Ziel.

Davor müssen die Fahrer nach dem Start auf dem Kreuzeck (1690 Meter) den steilen „Tröglhang“ passieren. Danach gelangen sie über die „Olympia-Kurve“ und den „Panorama-Sprung“ in den „Stegerwald“. Es folgen „Alte Quelle“, „Bödele“ und „Eishang“. Danach fliegen die Läufer zweimal geradezu beim „Seilbahnstadelsprung“ und dem „Kramersprung“. Kurz vor dem „freien Fall“ können sich die Fahrer in einer flacheren Passage namens „Auf der Mauer“ etwas erholen, ehe es nach dem Steilstück über „Tauberschuss“ und „Zielsprung“ ins Skistadion geht.

Allerdings kann es wegen der Witterungsbedingungen passieren, dass nicht auf der Originalstrecke gefahren wird. Dann wird auf die Damen-Strecke ausgewichen, die teils parallel verläuft, teils die Herren-Piste schneidet. Doch das ist den Veranstaltern nicht so wichtig. Sie freuen sich darüber, dass Dreßens Sieg in Kitzbühel einen Hype ausgelöst hat. So stehen die Chancen nicht schlecht, dass das Rennen ausverkauft sein wird. Das freut auch Peter Fischer, den Vorsitzenden des Skiclubs Garmisch: „Das ist für uns wie ein Lottogewinn. Die Stimmung steigt, die Euphorie steigt, die Arbeitsmoral steigt.“

Die Deutschen Asse:

Seit Markus Wasmeier im Januar 1992 warten die Deutschen auf einem Heimsieg auf der „Kandahar“. Durch seinen sensationellen Sieg in Kitzbühel gehört natürlich der Mittenwalder Thomas Dreßen zu den Mitfavoriten auf den Triumph am Samstag. Doch davon will er nichts wissen:

„Es gibt nichts Schöneres, als daheim einen Weltcup zu fahren. Garmisch ist nicht viel weniger herausfordernd als Kitzbühel. Ich bezeichne mich aber immer noch als Außenseiter. Ich bin noch relativ jung und habe noch nicht die Erfahrung.“

Chancen hat auch Andreas Sander. Sein sechster Platz in Kitzbühel war wegen des Sieges seines Mannschaftskollegen untergegangen. Dabei war er bis kurz vor dem Ziel sogar drauf und dran, selbst aufs Podest zu kommen. Doch in der Traverse verlor er etwas Zeit. Ähnlich ging es Dreßen vor zwei Wochen in Wengen. Dort verspielte er das Podest im Ziel-S. Eine Woche später siegte er in Kitzbühel. Macht es Sander ihm nun in Garmisch nach?

Dritter im Bunde der deutschen Asse ist Beppi Ferstl. Der Sohn des Streif-Siegers von 1978 und 1979 hat in dieser Saison schon einen Super-G in Gröden gewonnen. In der Abfahrt läuft es bisher noch nicht so rund. Sein bestes Resultat dort war ein 14. Platz auf der Saslong in Gröden – am Tag nach seinem Sieg dort.

Die internationalen Favoriten:

In Kitzbühel wurde Aksel Lund Svindal schwer geschlagen. Rang acht in der Abfahrt war sein schlechtestes Saison-Resultat. Zuvor hatte er die Schussfahrten in Beaver Creek und Gröden gewonnen. In Wengen und Bormio war er auf Platz zwei gelandet, in Lake Louise wurde er Dritter. Jetzt möchte der Norweger in Garmisch zurückschlagen. Allerdings landete er auf der „Kandahar“ am Ende noch nie auf dem Treppchen.

Ganz anders sieht das beim Österreicher Hannes Reichelt aus. Er gewann im Vorjahr und 2015 in Garmisch. Und auch jetzt kommt der Salzburger immer besser in Form. In Bormio wurde er Fünfter, in Wengen Vierter, in Kitzbühel Dritter. Nach dem Gesetz der Serie müsste er jetzt auf Platz zwei landen. Oder gewinnt er sogar?

Ein gewichtiges Wort um den Sieg mitreden möchte auch der Schweizer Beat Feuz. Der Sieger von Wengen sah auch in Kitzbühel lange wie der Sieger aus – ehe Thomas Dreßen ihm mit Startnummer 19 den Triumph noch wegschnappte. In Garmisch belegte Weltmeister Feuz bereits 2016 und 2017 Platz drei. Geht dieses Mal sogar noch mehr?

Zu beachten sind auch Bormio-Sieger Dominik Paris aus Italien, der Norweger Kjetil Jansrud und Peter Fill. Der Südtiroler belegte bei beiden Abfahrten in Garmisch im vergangenen Jahr Podestplätze. Auf der Rechnung sollte man auch Christof Innerhofer haben. Der Trainingsschnellste vom Donnerstag liebt die Kandahar. Dort gewann er bei der WM 2011 drei Medaillen: Gold im Super-G, Silber in der Super-Kombi und Bronze in der Abfahrt.

Mein Tipp:

Thomas Dreßen bestätigt in Garmisch, dass sein Sieg in Kitzbühel kein Zufall war. Der Mittenwalder schafft es bei seinem Heimrennen in die Top 5. Der Sieg geht aber an Hannes Reichelt aus Österreich. Er hat in Garmisch bereits zweimal gewonnen. Hinter ihm haben Beat Feuz und Aksel Lund Svindal das Nachsehen.

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