Sebastian Vettel will ersten Heimsieg im Wohnzimmer

Sebastian Vettel will ersten Heimsieg im Wohnzimmer

Nur eine halbe Stunde von der Rennstrecke in Hockenheim ist der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel geboren. Doch gewonnen hat der Hesse im Motodrom noch nie. Sein ärgster Rivale Lewis Hamilton hingegen siegte dort schon zweimal. Schafft Vettel nun endlich einen Erfolg in der Kurpfalz oder hat Hamilton die Nase vorn?

Rückblick:

Die bisherige Formel-1-Saison ist ein ständiges Auf und Ab für die beiden Top-Favoriten Hamilton und Vettel, von denen jeder am Ende seinen fünften Fahrer-Titel einfahren möchte. Mal hat der eine die Nase vorn, mal der andere. So führte Vettel nach den ersten drei Rennen in der WM. Ab dem vierten Grand-Prix übernahm Hamilton die WM-Führung und gab sie erst in Kanada wieder an Vettel ab, um sie sich in Frankreich gleich wieder zu holen. Seit dem Großen Preis von Österreich Anfang Juli führt wieder der Deutsche.

Und in Silverstone vor zwei Wochen setzte Vettel noch mal einen drauf. Im Heim-Grand-Prix von Hamilton triumphierte er vor dem Engländer. Der hatte bereits den Start verschlafen und musste Vettel und seinen Teamkollegen Valtteri Bottas vorbeiziehen lassen, danach kollidierte er mit Kimi Räikkönen. Hamilton war nach dem Rennen so bedient, dass er zunächst kein Interview gab. Danach deutete er an, dass der Crash mit Räikkönen Absicht vom Ferrari-Piloten gewesen sein könnte, um Vettel zu helfen. Am Tag darauf entschuldigte sich Hamilton jedoch für seine Verdächtigung.

Die Strecke:

Seit 1970 werden auf dem Hockenheimring fast in jedem Jahr Formel-1-Rennen ausgetragen. Dabei handelt es sich um den Großen Preis von Deutschland. Seit 2009 gastiert die Motorsportkönigsklasse nur noch alle zwei Jahre auf dem 4,574 Kilometer langen Kurs. Und nach diesem Jahr läuft der Vertrag aus. Es ist unsicher, ob die Formel 1 in den nächsten Jahren auf den traditionsreichen Circuit zurückkehrt.
Charakteristisch waren für den Kurs bis 2001 die langen Gerade,n die jedoch einem Umbau zum Opfer gefallen sind. Das zweite Merkmal von Hockenheim blieb jedoch: das Motodrom. Dort herrscht eine Atmosphäre wie in einem Fußballstadion. Die Fans können mehrere enge Kurven von dort einsehen. Die Fahrer freuen sich auf die Kulisse, die sie selbst bei über 200 Stundenkilometern mitbekommen.

In den letzten beiden Rennen 2014 und 2016, die in die Phase der Mercedes-Dominanz fallen, dominierten die Silberpfeile auch am Ring. Vor vier Jahren gewann Nico Rosberg, vor zwei Jahren Lewis Hamilton. Es war der zweite Erfolg in Hockenheim nach 2008 für den Briten. Sebastian Vettel wiederum triumphierte dort noch nie. Das will der WM-Leader, der das Tableau mit 8 Punkten vor Hamilton anführt, am Sonntag ändern.

Ferrari:

Der Sieg im Wohnzimmer von Lewis Hamilton hat den Roten gut getan. Vettel baute dadurch seinen Vorsprung in der Fahrer-WM auf den Briten aus. Gegen Ende des Rennens zeigte er dazu ein spektakuläres Überholmanöver gegen Valtteri Bottas, das ihn auf Platz eins brachte.

Aufgrund der Siege in den vergangenen Jahren gilt prinzipiell Mercedes als Favorit. Doch Ferrari hat in diesem Jahr auf eigentlich klassischen Mercedes-Strecken wie Kanada oder Silverstone gezeigt, dass man die Silbernen besiegen kann. Auf diesen Effekt baut auch Vettel, um endlich den ersehnten Triumph nahe seiner Heimat im hessischen Heppenheim zu landen:

„Der Sieg steht noch aus. Ich komme unmittelbar aus der Gegend, bin nur eine halbe Stunde entfernt vom Hockenheimring aufgewachsen. Ich habe dort mein erstes Formel-1-Rennen gesehen, ich glaube, im Jahr 2000. Dadurch, dass so viele Freunde und Familie da sein werden, ist es
etwas ganz Besonderes.“

Mercedes:

Die erfolgsverwöhnten Silberpfeile sind zuletzt in die Defensive geraten. Und das, obwohl zuletzt mit Kanada, Frankreich, Österreich und Großbritannien auf Kursen gefahren wurde, wo man Favorit war. Lediglich in Le Castellet wurde Hamilton dieser Rolle gerecht und gewann. Diese unbekannten Niederlagen kratzen am Nimbus der Silberpfeile und sorgen offenbar auch für Unruhe. Denn im Gegensatz zu Hamilton blieb das Team bei den Vermutungen, Kimi Räikkönen sei dem Briten in Silverstone absichtlich ins Auto gefahren.

Außerdem gibt es in dieser Saison immer mal wieder entscheidende Patzer in der Strategie – früher einer absolute Mercedes-Stärke. Und auch die Zuverlässigkeit ist bei Ferrari besser. In Österreich beispielsweise fielen beide Silberpfeile aus. Hamilton ist deshalb aber trotzdem nicht bange. Er weiß, dass man schon einige Punkte liegen gelassen hat, aber ist optimistisch für das Rennen:

„Natürlich will ich hier gewinnen, denn wir haben nicht genügend Siege in diesem Jahr geholt. Wir haben wirklich gute Arbeit geleistet, aber wir sind auch ein paar Mal gestolpert. Und in diesem Jahr ist ein kleiner Stolperer schon viel, weil es so eng ist.“

Red Bull:

Das dritte Top-Team hofft auf Patzer der anderen beiden Teams – und gleichzeitig auf eine cleverere Strategie als Ferrari und Mercedes. So holte man sich durch Daniel Ricciardo in China und Max Verstappen in Österreich Siege. Ricciardos Triumph in Monaco hingegen war Ausdruck der eigenen Stärke im Fürstentum. Dort hatten die Red Bulls das ganze Wochenende dominiert. Dahin wollen die Bullen auch auf anderen Kursen kommen.

Ob es in Hockenheim damit klappt, ist fraglich. Denn auch zu Zeiten, als man zwischen 2010 und 2013 das dominierende Team war und Vettel vier WM-Titel in Serie holte, konnte man in der Kurpfalz nie gewinnen. Immerhin setzte man im ersten freien Training mit den Plätzen 1 für Ricciardo und 3 für Verstappen eine erste Duftmarke.

Der Rest:

Am Freitagvormittag machten nach den großen Drei die Haas mit Romain Grosjean (7.) und Kevin Magnussen (8.) den besten Eindruck. Dahinter folgten Charles Leclerc im Sauber, Nico Hülkenberg im Renault, Sergio Perez im Force India und Fernando Alonso im McLaren. Im Rennen von Silverstone war es Hülkenberg, der sich als best of the Rest nach Verstappens Ausfall auf Platz 6 positionierte. Esteban Ocon im Force India und Fernando Alonso kamen unmittelbar hinter ihm ins Ziel.

In Spielberg zeigte die beiden Haas ihre Qualitäten. Grosjean und Magnussen belegten die Plätze vier und fünf – begünstigt davon, dass Hamilton, Bottas und Ricciardo das Rennen nicht beendeten. Hinter den Haas platzierten sich die beiden Force India von Ocon und Perez. In der Fahrer-Gesamtwertung führt Hülkenberg die Herausforderer der drei Top-Teams an. Er liegt mit 42 Punkten zwei Zähler vor Alonso und drei vor Magnussen.

Sieger des Großen Preises von Deutschland seit 2001:

2001 in Hockenheim: Ralf Schumacher
2002 in Hockenheim: M. Schumacher
2003 in Hockenheim: Juan Pablo Montoya
2004 in Hockenheim: M. Schumacher
2005 in Hockenheim: Fernando Alonso
2006 in Hockenheim: M. Schumacher
2008 in Hockenheim: Lewis Hamilton

 

 

 

2009 am Nürburgring: Mark Webber
2010 in Hockenheim: Fernando Alonso
2011 am Nürburgring: Lewis Hamilton
2012 in Hockenheim: Fernando Alonso
2013 am Nürburgring: Sebastian Vettel
2014 in Hockenheim: Nico Rosberg
2016 in Hockenheim: Lewis Hamilton

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